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„Night of Light“ taucht Magdeburger Sehenswürdigkeiten mahnend in rotes Licht

Sie verspricht ein schaurig-schönes Lichtspektakel, doch der Hintergrund ist ernst, todernst: In der Nacht vom 22. zum 23. Juni steigt in ganz Deutschland die „Night of Light“ und illuminiert überall bekannte Veranstaltungshäuser sowie markante Gebäude. In Magdeburg werden die Johanniskirche, der Jahrtausendturm und der Albinmüller-Turm in blutrotes Licht getaucht. Die Botschaft dahinter: Die Veranstaltungsunternehmen kämpfen ums Überleben – die Eventbranche sieht rot.
„Wir beteiligen uns an der bundesweiten Aktion, um auf die dramatische Lage der Veranstaltungswirtschaft durch die Corona-Krise aufmerksam zu machen und einen Dialog mit der Politik einzufordern. Wir müssen einen Weg aus der Krise finden und die sich anbahnende Pleitewelle in der Branche verhindern“, sagt Steffen Schüller, Geschäftsführer der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg (MVGM). Die „Night of Light“ soll „ein flammender Appell der Veranstaltungswirtschaft werden“, ergänzt er. Diese benötige „echte Hilfe anstelle von Kredit-Programmen“.
Die Lage ist dramatisch: Seit Mitte März macht die Veranstaltungswirtschaft quasi keinen Umsatz mehr. Sie war der erste Wirtschaftszweig, der von der COVID-19-Krise getroffen wurde, und wird auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen betroffen sein. Die Unternehmen haben innerhalb weniger Tage ihre gesamten Auftragsbestände verloren.
Der MVGM-Chef spart nicht mit Kritik: „Die Entscheidung der Ministerpräsidenten, das Verbot von Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober zu verlängern, führt endgültig zu einer faktischen Absage des Veranstaltungsgeschäftes bis zum Jahresende. Diese Regelung wird auch unter der Grenze von 1.000 Personen massive Absagen zur Folge haben.“
Die „Initiative Veranstaltungswirtschaft Sachsen-Anhalt“ hatte bereits im April das Festhalten an der Zahl von 1.000 Personen kritisiert. Stattdessen solle ein detaillierterer Kriterienkatalog genutzt werden. Einen Entwurf dafür hatte die Initiative bereits erarbeitet und vorgelegt. „Hier trafen wir leider im Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration nicht auf offene Ohren“, bedauert der MVGM-Chef.
Dabei könne unter Einhaltung wirksamer Hygienemaßnahmen die Durchführung von Veranstaltungen seiner Ansicht nach durchaus verantwortet werden. „Sachsen-Anhalt lässt uns mit der aktuellen Eindämmungsverordnung und der Begrenzung auf 250 Personen bis Ende August hierzu jedoch gar keine Chance. Die Landesregierung sollte, wie in Sachsen, den Kommunen die Verantwortung für die Genehmigung von Veranstaltungen auf Basis konkreter Hygienekonzepte übertragen. Dort können aktuell bereits Veranstaltungen bis zu 1.000 Personen stattfinden“, so Schüller.
Auch die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung sei unzureichend: „Zwar wurde mit dem Konjunkturpaket erstmalig „eine funktionierende Hilfe“ für die Veranstaltungsbranche angekündigt, jedoch gelte diese nur für nachgewiesene Umsatzverluste bis maximal 150.000 Euro für die Monate Juni bis August. Damit wird das Ausmaß der Schäden bis Jahresende völlig verkannt. Allein in unserem Unternehmen wird der Schaden voraussichtlich zehnmal so hoch ausfallen“, erklärt der Geschäftsführer der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft.
Aus Sicht der Unternehmen sind das alles Punkte, über die Branchenvertreter und Politik dringend reden müssen, „um ein Massensterben in der Event-Wirtschaft zu verhindern und den Firmen, Agenturen sowie Künstler*innen eine echte Perspektive aufzuzeigen“, so Steffen Schüller. Mit der „Night of Light“ soll deshalb ein dramatischer Appell ins Land gesendet werden. Die Initiatoren rufen dazu auf, Bilder von den illuminierten Bauwerken in den sozialen Netzwerken unter #nightoflight2020 zu posten.

Hintergrund

In der Nacht vom 22. zum 23. Juni 2020 werden die Teilnehmer bundesweit in mehr als 250 Städten Eventlocations, Spielstätten, Gebäude und Bauwerke mit rotem Licht illuminieren.

Die Initiatoren verbinden damit einen flammenden Appell zum Einstieg in einen Branchendialog, der die Vielfältigkeit und Systemrelevanz der deutschen Veranstaltungswirtschaft thematisieren soll. Allein Konzerte, Volksfeste, Firmenfeiern und Messen ziehen in normalen Jahren in Deutschland knapp 500 Millionen Besucher an und können bis auf Weiteres gar nicht oder nur unter erheblichen Auflagen stattfinden.
Die Initiatoren kritisieren u.a.: Die derzeitigen Hilfsprogramme für die Veranstaltungswirtschaft bestehen im Wesentlichen aus Kreditprogrammen, die jedoch eine erneute Zahlungsunfähigkeit in Verbindung mit der Überschuldung der betroffenen Unternehmen zur Folge haben werden.

Die für diese Aktion gemeinsam verwendete Farbe Rot soll folgendes ausdrücken:

-           Die Veranstaltungswirtschaft befindet sich auf der „Roten Liste“ der aussterbenden Branchen
-           Alarmstufe Rot - ein Milliardenmarkt und hunderttausende Arbeitsplätze sind in Gefahr!
-           Die Farbe Rot steht für die Leidenschaft. Das Motto: „Wir brennen für das, was wir tun!“

Weitere Informationen zur Kampagne unter www.night-of-light.de.

 

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