Wissenswertes

Die Geschichte des Parkgeländes

Die Geschichte des Cracauer Angers kann wechselvoller kaum sein. Ursprünglich war der Anger ein 450 Hektar großes Wiesengelände, das sich nördlich des ostelbischen Dorfes Cracau bis zum Herrenkrug, seit dem letzten Jahrhundert eine der schönsten klassischen Parkanlagen Magdeburgs, erstreckte. Hier fand man eine typische Elbaue mit den dazugehörenden Pflanzen und Tieren, so war natürlich auch der Elbebiber hier zu Hause.

Diese meist feuchten Wiesen wurden nachweislich bereits im Mittelalter als Weideflächen durch benachbarte Bauern genutzt.

Von der Nutzung des Cracauer Angers Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann die militärische "Karriere" des Angers. Erst als Exerzierplatz für Rekruten der preußischen Pioniere genutzt, kam 1873 die Nutzung als Platz zum Scharfschießen hinzu. Später entstanden hier Kasernen, deren Gebäude bis heute zu sehen sind. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde eine Infanteriekaserne gebaut und ab 1938 übernahm die Wehrmacht den Anger komplett.

Aber auch für zivile Zwecke war der Cracauer Anger gut. So gaben die Tongruben auf dem Anger den Rohstoff für die hier angesiedelten Ziegeleien, es entstanden Ausflugs- und Tanzlokale.

Der Cracauer Anger ist auch Schauplatz besonderer Ereignisse gewesen. Dem Magdeburger Ingenieur Hans Grade gelang hier am 28. Oktober 1908 der erste deutsche Motorflug. Mit seinem Dreidecker schaffte er die stattliche "Flughöhe" von acht Metern. Damit begründete er die Tradition des Cracauer Flugplatzes, auf dem 1914 zur Begeisterung der Magdeburger das erste Zeppelinluftschiff landete. Hans Grade zu Ehren gibt es im Elbauenpark am Originalschauplatz des ersten "Lufthopsers" heute den Hans-Grade-Platz.

Und auch Sport wurde auf dem Cracauer Anger von 1922 bis in die dreißiger Jahre getrieben. Die Sportanlage des Fußball- und Cricketclubs "Viktoria" befand sich etwa dort, wo heute der Haupteingang des Elbauenparks die Besucher begrüßt.

 

Nachkriegszeit – Trümmer zeugen vom zerstörten Magdeburg

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges kam dem Kleinen Cracauer Anger eine besonders traurige Aufgabe zu: Die Trümmer der beim Bombenangriff vom 16. Januar 1945 zerstörten Magdeburger Innenstadt wurden hierher verbracht. Aus der Elbaue, dem Exerzierplatz, wurde hier die "Ruhestätte" des alten Magdeburg – ein um fünf Meter aufgeschüttetes Trümmerfeld.

In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg übernahm die Rote Armee das Kommando auf dem Anger. Erst 1992 zogen die Soldaten vom Cracauer Anger ab und machten den Weg zur Rekultivierung des Geländes frei. Doch bevor die Arbeiten richtig begonnen werden konnten, mussten erst einmal unzählige Geschosse und andere Kampfmittel beseitigt werden, damit sich die Besucher heute ungestört an Sport, Spiel, Gartenkunst und Unterhaltung erfreuen können.

Die Entstehung des Elbauenparks – Von der Militärbrache zum blühenden Paradies

Die Entstehung des Elbauenparks geht bereits auf das Jahr 1991 zurück. Damals war Oberbürgermeister Dr. Willi Polte so beeindruckt vom Rheinauepark in Bonn, dass er es sich zur Aufgabe machte, in Magdeburg eine ähnliche Anlage entstehen zu lassen. Die Vision war damals, in der Stadt Magdeburg eine Bundesgartenschau durchzuführen und die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts damit als eine der grünsten Großstädte Deutschlands bekannt zu machen.

Ideal geeignet dafür schienen die östlich der Elbe gelegenen Gebiete auf dem Cracauer Anger, auf denen zu der damaligen Zeit noch die Rote Armee zu Hause war.

Doch bis zum heutigen Aussehen des Parks war es noch ein weiter Weg.
Im Jahr 1992 wurde ein Planungswettbewerb für ein etwa 500 Hektar großes Areal bundesweit ausgeschrieben, dessen Ergebnisse in den Rahmenplan BUGA 99 einflossen. Die Bewerbung um die Ausrichtung der 25. Bundesgartenschau 1999 war erfolgreich und 1995 wurde eine Gesellschaft zur Vorbereitung und Durchführung der Bundesgartenschau, die BUGA GmbH, gegründet. Die Grundlagen waren geschaffen.

Bauphase des Jahrtausendturms


Ein Gelände von insgesamt rund 100 Hektar auf dem Großen und Kleinen Cracauer Anger sollte in eine Parklandschaft verwandelt werden. Den Auftrag für die Gesamtplanung erhielten die Landschaftsarchitekten Helmut Ernst, Christoph Heckel und Axel Lohrer.
Im engen Zusammenspiel dieser Arbeitsgemeinschaft mit Hochbauarchitekten, Ingenieuren, Künstlern und der BUGA GmbH wurde die Aufgabe BUGA 99 in Angriff genommen. Daran waren natürlich noch einige hundert andere Firmen, Institutionen, Vereine und Einzelpersonen beteiligt, die zusammen das Ereignis BUGA 99 als große Chance für Magdeburg und Sachsen-Anhalt sahen.

Insgesamt wurden 210 Mio. DM investiert, um mit dem Park eine Symbiose aus Natur, stadtnaher Erholung, Unterhaltung, Sport und Kunst zu schaffen. Die größten Einzelprojekte waren dabei der Bau des Jahrtausendturms und der Seebühne sowie die Rekultivierung der Mülldeponie. Im Umfeld wurden mit der Errichtung der neuen Messehallen, eines Spaßbades, dem Bau der Herrenkrugbrücke über die Elbe und der Fachhochschule in unmittelbarer Nähe zum Parkgelände auch die Randbedingungen so gestaltet, dass sich das Areal heute als homogenes Gelände am östlichen Ufer der Elbe präsentiert.

Erster Spatenstich: 25.08.1996

Architektonische Beschreibung

Ein Ort lebt von seiner Geschichte, von Spuren und Relikten – und davon besaß das von der sowjetischen Armee aufgelassene Gelände genug. Durch die Bundesgartenschau wurde das ca. 90 ha große Areal in eine attraktive Parklandschaft für die Freizeit und Erholung verwandelt. Dabei wurde die etwa 40 ha große Mülldeponie in die Gestaltung einbezogen. Gedanke war, dass ein Park durch individuelle Besonderheiten des Geländes lebt und unverwechselbar wird. Trümmerschutt und Deponie, Schießwälle und Klippen, Kugelfänger und Panzergaragen wurden zu unverzichtbaren Elementen des Elbauenparks. Alter Baumbestand und weite Rasenflächen bestimmen das Bild im Großen Cracauer Anger. Die ehemalige Leere des Kleinen Cracauer Angers wird einprägsam durch das Spaßbad und insbesondere durch den 60 m hohen Jahrtausendturm gefüllt.

Schichtungen und Brüche spiegeln sich auch an den thematisch verdichteten Orten, den Gärten wider. Bewusst wurde auch hier dem alten Vorgefundenen Neues entgegengesetzt. Olivenhain und Wildstauden, alter Armeeunterstand vor moderner Kunst, Bambusdickicht und Rosenfelder vor der Deponie – besondere Pflanzen als Ausdruck der neuen Nutzung des Cracauer Angers.

1995 – 1999:

  • Helmut Ernst,
  • Christoph Heckel,
  • Axel Lohrer,
  • M. Schwarz,
  • C. Mancke


(Quelle: Magdeburg – Architektur und Städtebau/ Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt. – Halle an der Saale: Stekovics 2001, S. 309)

Die Seen und die Deponie

Pappelsee

Lässt man vom Aussichtspunkt der Deponie den Elbauenpark auf sich einwirken, liegt einem der Pappelsee auf dem Großen Anger zu Füßen.
Dieser Pappelsee bildet mit dem dazugehörigen Pappelwäldchen eine reizvolle Naturkulisse, die besonders bei Veranstaltungen auf der Seebühne zur Geltung kommt.

Angersee

Am nördlichen Fuß des Jahrtausendturms liegt in einer Tiefe von ca. 5 Metern der Angersee, mit seinen 16.000 Quadratmetern die größte Wasserfläche im Park. Schroffe Klippen, verschiedenartige „Wände“ von bis zu 7 Metern Höhe bilden hier einen imposanten Abschluss. Zwischen mächtigen Betonsplittern hindurch führen schmale Treppen zu beschaulichen Plätzen direkt am Wasser. Wenn es im Winter die Temperaturen zulassen, bietet der zugefrorene Angersee Jung und Alt ein Vergnügen besonderer Art: Das Eislaufen.

Die Deponie

Die am östlichen Ende des Elbauenparks gelegene Hausmülldeponie "Cracauer Anger" wurde 1993 geschlossen. Im Zusammenhang mit der Gestaltung des BUGA-Geländes war es unumgänglich, den gesamten Deponiekörper mit einer Fläche von 44 Hektar, einer Breite von ca. 600 Meter und einer Länge von 800 Meter zu sanieren, mit einer Oberflächenabdeckung zu versehen und zu rekultivieren.

Einzigartig hierbei ist, dass das Gas, welches sich im Inneren der Deponie bei einem geschätzten Volumen von ca. 9,0 Mio. Kubikmeter bildet, über Leitungsstränge gesammelt, dem in der Nähe befindlichen Blockheizkraftwerk zugeführt und in Wärmeenergie umgewandelt wird.
Dazu sind insgesamt 73 Gasbrunnen installiert, die bis zu 25 Meter in den Müllberg hineinreichen. Durch mehr als 15.000 Meter Rohrleitungen wird das Deponiegas abgesaugt und in 5 Sammelstationen aufbereitet. Mit über 4.000 Meter Transportleitungen wird es dann direkt in das Blockheizkraftwerk geleitet.
Damit ist es möglich, das Spaßbad Nautica, die Messehallen und verschiedene Gebäude des Elbauenparks zu beheizen.
Berechnungen haben ergeben, dass so die Deponie ca. 10 Jahre zur Wärmegewinnung genutzt werden kann. Wenn der Vorrat erschöpft ist, wird das Kraftwerk auf Erdgas umgestellt.

Als besondere Attraktionen wurden auf der Deponie ein Aussichtspunkt in 40 Metern Höhe und eine Sommerrodelbahn mit ca. 420 Meter Länge angelegt.